Extras: Kunst am Bau - baugebundene Kunst

Wandbilder in der DDR - Teil 1

Wie immer gilt: Die Auswahl ist keine Wertung, absolut zufällig und überhaupt nicht vollständig...

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Wandbild (Ausschnitt)
in Hoyerswerda
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Wandbild (Ausschnitt) in Magdeburg,
Wohnhochhaus Jakobstraße
Künstlerische Darstellungen an öffentlichen Gebäuden schmücken diese nicht nur, sondern können durch ihre Wirkung in den Außenraum agitatorische Botschaften verkünden. Das ist zu keiner Zeit anders gewesen. In der DDR wurde seit 1952 bis zu zwei Prozent (später 0,5 Prozent) der Bausumme für die sogenannte Kunst am Bau vorgesehen. Häufige Themen der künstlerischen Gestaltung waren die idealisierte Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft. Dafür eigneten sich großformatige Wandbilder besonders. In Halle-Neustadt, Berlin, Dresden, Hoyerswerda und vielen anderen Orten entstanden so eindruckvolle und im kollektiven Gedächtnis verankerte Kunstwerke. Nach 1990 wurden teils heftige, sowohl von Sachkenntnis als auch von Ignoranz und Dummheit geprägte Debatten über ihren künstlerischen Wert, über Erhalt oder Abriss geführt. Viele Werke sind inzwischen verschwunden, manche abgenommen und eingelagert, andere wurden unter Denkmalsschutz gestellt und sind erhalten.

Dresden, Kulturpalast: Der Weg der Roten Fahne


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Der Kulturpalast in Dresden wurde 1969, zum 20. Jahrestag der Gründung der DDR, eingeweiht. 50 Jahre später, nach umfassender Rekonstruktion, wurden der neue Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie und die Spielstätte für das Kabarett Herkuleskeule übergeben sowie die Stadtbibliothek neu eröffnet. Bei den Veranstaltungen zum 50. Geburtstag des Kulturpalastes gab es auch Diskussionsrunden zum Wandbild "Der Weg der roten Fahne".

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Das Wandbild gehört zu den bekanntesten Bildern dieser Art in der DDR. Es ist etwa 30 Meter lang und 11 Meter hoch und befindet sich an der Westseite des Gebäudes zur Schloßgasse. Entworfen wurde es von Gerhard Bondzin (1930-2014), der als damaliger Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden die Arbeiten mit Studenten und Mitarbeitern der Hochschule ausführte.

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Detail: Roter Stern
Das Bild besteht aus 466 Betonkacheln auf die mit einem damals neuartigen elektrostatischen Verfahren ein Glassplit-Kork-Gemisch aufgebracht wurde. Der rote Stern dagegen besteht aus größeren Glasteilchen.

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Engels, Marx
Die Personengruppen auf dem Bild sind entlang des Schwingens einer Fahne aufgereiht und sollen so die Traditionslinie der deutschen Arbeiterbewegung verdeutlichen. Die geschichtliche Entwicklung der Menscheit erfolgt nach dem Verständnis des historischen Materialismus nach gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten...
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Ernst Thälmann spricht
Und so beginnt die Geschichte im Bild unten links mit der Revolution von 1848, eine Proletarierin sammelt Steine zum Barrikadenbau und als Waffe, hinter ihr steht halb aufgerichtet ein mit einem Gewehr bewaffneter Aufständischer. Hoch aufgerichtet stehen Karl Marx und Friedrich Engels, die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus.
Hinter ihnen hebt eine Frau die rote Fahne auf, die jetzt als Symbol der Arbeiterklasse und des Kampfes um die Befreiung der Menschheit weitergereicht wird. Wesentliche Etappen dieses Kampfes werden auf dem Bild dargestellt: darunter, wie schon erwähnt, die Revolution von 1848/49, die Herausgabe des Kommunistischen Manifestes (Marx, Engels), der Kampf gegen Bismarcks Sozialistengesetze, die Oktoberrevolution in Russland 1917, die Novemberrevolution 1918 in Deutschland (mit Liebknechts berühmten Worten: "...leben wird unser Programm, trotz alledem!"), mit Ernst Thälmann als Vorsitzenden der KPD zur Zeit der Weimarer Republik und der darauf folgenden finsteren Zeit des Nationalsozialismus.
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Nach dem Sieg der sowjetischen Roten Armee 1945 wird in der DDR der Sozialismus aufgebaut. Wir sehen auf dem Bild eine Jugendgruppe unter dem Banner Lenins mit dem damaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht diskutieren, wir sehen, wie die Werktätigen aller Schichten ("Brüder in eins nun die Hände, Brüder zum Lichte empor") Hand in Hand auf dem gemeinsamen Weg voranschreiten und wie entschlossen die Kampfgruppen und die bewaffneten Kräfte bereit sind, die Errungenschaften des Sozialismus zu schützen und zu verteidigen. Auch Wissenschaft und Fortschritt sind untrennbar mit dem Sozialismus verbunden: Eine junge, aufwärtsblickende Frau hält in ihren Händen ein Computerlochband mit dem Titel des Bildes: "Der Weg der roten Fahne".

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"Fahnenträgerin"
Und eine junge Frau ist es auch, die als zentrale Figur das Bild beherrscht. Sie trägt die Fahne voran - und hier kommt einem unweigerlich ein ähnliches Motiv*) in den Sinn: "Die Freiheit führt das Volk"!
Nach der politischen Wende 1990 wurde das Wandbild kontrovers diskutiert. Eine Zeitlang war es teilverhängt (eine Kachel hatte sich gelöst), der Abriss drohte. Zum Glück gibt es den Denkmalschutz... 2019 (50 Jahre Kulturpalast Dresden) wurde auf verschiedenen Veranstaltungen auf die baukünstlerischen Aspekte und den sorgsamen Umgang mit diesem kulturellen Erbe aufmerksam gemacht.
*) Eugène Delacroix (Paris, Louvre)

Literatur:
Broschüre: Kunst für den Kulturpalast - Inhalte und Gestaltung, Herausgegeben vom Amt für Kultur und Denkmalschutz, Landeshauptstadt Dresden, Sept. 2019

Dresden-Johannstadt: Wandbild am Marie-Curie-Gymnasium

Das folgende Wandbild an einer Schule in Dresden-Johannstadt könnte heute durchaus als Rätselaufgabe dienen: Was geschah am 12. April 1961? Dabei handelt es sich um eines der bedeutsamsten Daten der Menschheitsgeschichte. Denn zum ersten Mal in seiner Geschichte verließ der Mensch an diesem Tag seinen Heimatplaneten! Juri Gagarin flog mit Wostok 1 in den Weltraum. Auf dem Bild winken die Jungen Pioniere begeistert der Rakete zu. Das Bild "Der erste Mensch im Weltall", welches an den denkwürdigen Flug Gagarins erinnert, wurde von Alfred Hesse (1904-1988) geschaffen.

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Wandbild am Schulgebäude: "12. April 1961 - Der erste Mensch im Weltall"


"Internationale Solidarität" in Thale



Thale im Harz ist ein beliebter Ausgangpunkt für Wanderungen. Steht man hier auf dem Bahnhof, dann fällt dem Beucher gegenüber des Bahnsteigs ein großes farbenprächtiges Wandbild ins Auge. Was hat es damit auf sich? Das Bild trägt den Titel "Internationale Solidarität" und wurde 1977/78 von Willi Neubert (1920-2011) geschaffen. Ursprünglich befand es sich (mit weiteren) an der Stadthalle Suhl in Thüringen, doch beim Umbau der Stadthalle in ein Congress Centrum Anfang der 1990er Jahre waren die großflächigen Wandbilder im Wege und wurden abgenommen. Eines davon ist jedoch gerettet und nach Thale, an den Ort der Entstehung verbracht. In Zusammenarbeit mit den Eisen- und Hüttenwerken in Thale hatte Willi Neubert damals die Entwicklung einer speziellen Emailtechnik mitgestaltet, bei der dann die farbigen Emaillen auf Stahlflächen zu Wandbildern zusammensetzt wurden. Willi Neubert ist Ehrenbürger der Stadt Thale.

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Die Pauke schlagen für die Solidarität!

Farbenprächtige Wandbilder sind auch ein Markenzeichen der Künstlerin Annedore Policek. Von ihr stammt das

Wandbild am Wohnhochhaus Jakobstraße, Magdeburg



Das Gebiet um die Jakobstraße und das Fischerufer in Magdeburg war vor 1945 extrem dicht besiedelt, die Magdeburger nanntes dieses Viertel "Knattergebirge". Durch die verheerenden Bombenangriffe im 2. Weltkrieg sank alles in Schutt und Asche, erst die großzügig-weiträumige Neubebauung Ende der 1960/1970er Jahre brachte Luft und Licht in das Wohngebiet. Mit dem Wohnhochhaus Jakobstraße wurde ein Experimentalbau in sogenannter Gleitkernbauweise realisiert; den Eingang des Gebäudes ziert das Keramikfliesenwandbild von Annedore Policek. Vor dem Eingang ist noch die typische Beeteinfassung mit Betonformsteinen vorhanden.
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"Aus der Welt des Kindes", Magdeburg
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Ein weiteres Keramikfliesenbild von Annedore Policek befindet sich jetzt im Stadtteil Buckau vor einem Supermarkt (die älteren Magdeburger werden sich daran erinnern, dass es sich hier um ein ehemaliges Kino handelt). Das Wandbild aus dem Jahr 1975 trägt den schönen Titel "Aus der Welt des Kindes". Übrigens: Die Wandbilder in der DDR hatten nicht nur Arbeit, Fortschritt und Sozialismus zum Inhalt sondern häufig solche Motive wie Blumen, Kinder, Sonne, fröhliche Menschen...

Wandbilder in Magdeburg-Ottersleben

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Dazu passt auch, dass viele Wandbilder sich an Kindereinrichtungen und Schulen befanden. Manches ist leider verschwunden. Doch in Magdeburg-Ottersleben wurde durch Bürgerengagement und politischen Willen das Wandbild "Organisches und Anorganisches" von Dietrich Fröhner (1939-1983) an der Fassade der Ernst-Wille-Schule gerettet. Hier bestand die Gefahr, dass das Bild bei der Gebäudesanierung beschädigt werden oder gar verlorengehen könnte. Wie man sieht, wurde die Sanierung erfolgreich durchgeführt und das Bild aus dem Jahr 1978 blieb auch erhalten!

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Nur wenige hundert Meter entfernt kann man in Magdeburg-Ottersleben zwei heiter stimmende Bildwerke entdecken, die die Eingänge zum Gebäude der Kindereinrichtung "Ottersleber Lebenskreis" schmücken. Die beiden Keramikwandbilder an den Eingängen schuf Bruno Groth (1926-2018), der in Magdeburg mit seinen Arbeiten noch viele andere keramische Spuren (u. a. in Neu-Olvenstedt) hinterließ.

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Keramikwandbilder von Bruno Groth in Magdeburg-Ottersleben


Wird fortgesetzt!

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