Ganz weit draußen: Skulpturen am Stadtrand von Magdeburg


"Reibung" in Rothensee

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Der Ort "Rodense", am nördlichen Stadtrand Magdeburgs gelegen, wurde 1176 erstmals in einer Urkunde genannt. Vermutlich bezog sich der Name auf das Wasser eines alten Elbarms. Da die Elbe aber ihren Lauf nach Osten verlagerte, mussten die Bewohner um 1300 umziehen. In dieser Zeit wurde auch die erste Feldsteinkirche gebaut, sie ist 1909/10 durch die heutige neogotische Backsteinkirche ersetzt worden. Die Bewohner hatten in den Jahrhunderten zuvor immer wieder mit Elbhochwasser zu kämpfen, heute schützt ein Deich den Ort. Verwaltungsmäßig gehörte Rothensee mal zu Wolmirstedt mal zu Magdeburg, seit 1908 endgültig zu Magdeburg. Sicherlich gab es da immer wieder auch Reibereien...

Eine "Reibung" ganz anderer Art gestaltete der Bildhauer Wolfgang Roßdeutscher mit seiner gleichnamigen Skulptur im Gewerbegebiet Bülstringer Straße in Rothensee.

Reibung
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Die Sage von Rothensee

Einst stand in Magdeburg eine feste Burg zum Schutz der Stadt. In der Burg lebte der Burggraf Wilderer von Wildburg mit seiner schönen und sanftmütigen Tochter Berta. Viele Ritter und edle Herren hatten vergeblich um die Hand der Schönen geworben, so auch Wolf von Rüdenstein. Da der Ritter die Tochter des Grafen nicht auf rechtmäßigem Weg zu seiner Frau machen konnte, entführte er sie in seine Raubritterburg im dichten Wald. Der Graf machte sich mit tapferen Männern auf den Weg, seine Tochter zu befreien. Im Wald begegnete ihnen ein riesiger, Feuer und Schwefel spuckender, siebenköpfiger Lindwurm, welcher die Burg des Entführers verteidigte. Betrübt zog der verzweifelte Vater ab. Später erfuhr er, dass der siebenköpfige Drache nur von einem tugendhaften und frommen Ritter besiegt werden könne. Graf Wilderer versprach dem Sieger die Hand seiner Tochter als Lohn. Ritter Georg von Ingenheim, jüngst von einer Reise ins Heilige Land zurückgekehrt, stellte sich dem schrecklichen Ungeheuer. In glänzender Rüstung auf einem schneeweißen Pferd reitend, kämpfte er unerschrocken und schlug dem Drachen einen Kopf nach dem anderen ab. Das Blut floss in Strömen aus den sieben Hälsen und färbte den nahegelegenen See rot. Auf den Grundmauern der zerstörten Raubritterburg entstand später das Dorf Rothensee.
Textquelle: Infotafel in Rothensee

Und tatsächlich findet man in Magdeburg auf einer Fußgängerbrücke im Stadtteil Nord einen Lindwurm...
(Das Beweisfoto wird nachgereicht.)

In genau entgegengesetzter Richtung in Beyendorf-Sohlen - also am südlichen Stadtrand - steht mitten auf dem Dorfplatz von Sohlen eine weitere Skulptur von Wolfgang Roßdeutscher, es ist die

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Dorfplatz in Sohlen

"Entfaltung" in Sohlen

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aus dem Jahr 2005. Der Dorfplatz war einst die Siedestätte der Salzpfänner (der sogenannte "Kotplatz" - benannt nach den "Koten", den Siedehütten), denn hier wurde jahrhundertelang Salz gewonnen. Eine Tafel am Dorfplatz klärt über die Geschichte auf:

Salzgewinnung in Sohlen
1299   Beginn der Salzgewinnung. Am 4. April 1299 erteilt der Magdeburger Erzbischof Burchard II. ein "Privilegium zum Anlegen eines Salzwerkes an der Sülze". Als Werkrevier wurde der Gesellschaft ein Gebiet zwischen Sülze, Elbe, Sülldorf und Magdeburg überwiesen.
1579   Der Arzt Mathaeus Meth aus Langensalza erfindet die Gradierwerke für die Kochsalzgewinnung aus Steinsalz und baut das erste Werk dieser Art in Nauheim. Meth lässt die Salzlösung zuerst über Wände aus Stroh rieseln, wobei bereits ein großer Teil des Wassers ohne energieaufwändiges Erhitzen verdunstet.
1601   Durch die Brüder Mathaeus und Paulus Meth wurde ein Strohgradierwerk in Sohlen errichtet.
1670   In Sohlen befinden sich 11 Siedehäuser (Salzkote) und ein Solebrunnen, aus dem mit Eimern die Sole geschöpft wurde.
1726   Der preußische Staat führte das Salzregal ein.Er kaufte die Kote auf und ließ den alten Solebrunnen schließen. Damit endete die Salzgewinnung in Sohlen.
Textquelle: Infotafel in Sohlen


Entfaltung
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Noch weiter südlich auf dem Kreuzberg (und hier ist Magdeburg mit Beyendorf-Sohlen wirklich zu Ende) befindet sich

Das Bördepaar.


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Bördepaar
Es ist grandios, wie die beiden nahezu archaischen Skulpturen hier oben thronen und weit in die Landschaft schauen können. Der Vergleich mit Henry Moores Königspaar in den schottischen Highlands drängt sich förmlich auf - nur dass eben hier kein Königspaar sondern vermutlich ein Bauernpaar sitzt. Ein phantastischer Platz für die beiden!
Wer mag, kann es ihnen gleichtun und auf der Bank daneben ebenfalls den weiten Blick genießen.

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Das Bördepaar wurde von Wolfgang Roßdeutscher geschaffen, der auch die Aufstellung im Jahr 2015 an genau diesem Ort veranlasste. Auf dem Feld im Sockel liest man: "Landeshauptstadt | Magdeburg | 1050 Jahre Sohlen | Bördepaar 2015 | W. Rossdeutscher"

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Wenn man sich dem Kreuzberg von Norden nähert, erkennt man bereits von Weitem das Paar und die nebenstehende Bank.
Ist man dann oben angelangt, wird man zuerst von der Komposition überwältigt, gerät danach ziemlich schnell ins Träumen... und kommt vielleicht auch ein wenig zum Nachdenken...

Bördepaar
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Denn was ist eigentlich so Besonderes an der "Magdeburger Börde"? An diesem  von der Natur geschenkten  Schatz? - Es ist die Fruchtbarkeit des Bodens. Die Magdeburger Börde entstand durch natürliche Umwandlung der bis zu zwei Meter hohen Lößschicht in Schwarzerde. Bei der Klassifizierung der Böden mittels Bodenwertzahl BWZ (0 bis 100) wurde der höchste Wert 100 durch die Qualität des Bodens in der Bördegemeinde Eickendorf definiert. Fruchtbaren Boden kann man nicht künstlich herstellen - verschleudern wir diesen Schatz nicht!

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Wird fortgesetzt!

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