Figuren, Reliefs und Denkmale am Wege, in kleinen und größeren Orten:

Denkmale und Figuren in Tangermünde


Das liebenswerte Städtchen Tangermünde ist unbedingt einen Aufenthalt wert. Burg, Rathaus, Stephanskirche, Türme und Tore sowie die schöne Lage an der Elbe laden zum Verweilen ein. Im Burggelände schauen zwei gewichtige Herren aus Bronze in Richtung Elbe:

Denkmal für Kaiser Karl IV.

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Kaiser Karl IV.
Der römisch-deutsche Kaiser Karl IV. (1316-1378) hatte 1373 die Mark Brandenburg erworben und so sein böhmisches Herrschaftsgebiet erweitert. Tangermünde wurde zur Nebenresidenz bestimmt und die Burg entsprechend ausgebaut. Karl IV. weilte mehrfach in Tangermünde. Sein Testament und auch das berühmte Landbuch sollen hier entstanden sein. Das Landbuch ist eine der Hauptquellen der brandenburgischen Siedlungsgeschichte (http://de.wikipedia.org/wiki/Landbuch_Karls_IV.). Der Tod Karls IV. im Jahr 1378 ließ die hochgespannten Pläne des Kaisers mit Tangermünde jedoch nicht zur Ausführung kommen.
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1899 gestaltete der Berliner Bildhauer Ludwig Cauer (1866-1947) ein Bronzestandbild Karls IV. für die Siegesallee in Berlin. Einen Zweitguss des Standbildes ließ der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1900 in Tangermünde aufstellen. Das Denkmal im Burggelände zeigt Karl IV. mit dem Landbuch in der linken Hand.

Denkmal für Friedrich I. Kurfürst von Brandenburg

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Friedrich I. von Brandenburg
Friedrich (1371-1440) war der erste Kurfürst in Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern. Er stammte aus Nürnberg (Cadolzburg) und ging mit harter Hand gegen den rebellischen, sich wie Raubritter aufführenden märkischen Adel vor. Der legendäre Einsatz der "Faulen Grete" (eines der ersten Geschütze jener Zeit) half ihm beim Brechen der adligen märkischen Burgen und bei der Wiederherstellung der Landessicherheit.
Der Bildhauer Ludwig Manzel (1858-1936) gestaltete 1900 für die Berliner Siegesallee die Denkmalgruppe 15 mit dem Standbild des Kurfürsten Friedrich I. Ein Zweitguss wurde 1912 hier in der Burg Tangermünde zum 500. Jahrestag des Einzugs der Hohenzollern in Brandenburg aufgestellt.

Friedrich I. Kurfürst von Brandenburg
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Grete Minde - ein Justizirrtum?

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Grete Minde, Relieftafel am Brunnen in Tangermünde
"»Komm«, sagte Grete, während sie das Licht auf die Fensterbrüstung stellte. Und sie riß den Knaben mit sich fort, über Flur und Hof hin und bis in den Garten hinein. Er schrie nicht mehr, er zitterte nur noch. Und nun warf sie die Gartentür wieder ins Schloß und eilte, den Knaben an ihrer Hand, ihr eigenes Kind unterm Mantel, an der Stadtmauer entlang auf Sankt Stephan zu. Hier, wie sie's erwartet, hatte das Stürmen längst aufgehört, Glöckner und Mesner waren fort, und unbehelligt und unaufgehalten stieg sie vom Unterbau des Turmes her in den Turm selbst hinauf: erst eine Wendeltreppe, danach ein Geflecht von Leitern, das hoch oben in den Glockenstuhl einmündete. Als die vordersten Sprossen kamen, wollte das Kind nicht weiter, aber sie zwang es und schob es vor sich her. Und nun war sie selber oben und zog die letzte Leiter nach. Um sie her hingen die großen Glocken und summten leise, wenn sie den Rand derselben berührte.
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Und nun trat sie rasch an die Schalllöcher, die nach der Stadtseite hin lagen, und stieß die hölzernen Läden auf, die sofort vom Winde gefaßt und an die Wand gepreßt wurden. Ein Feuermeer unten die ganze Stadt; Vernichtung an allen Ecken und Enden, und dazwischen ein Rennen und Schreien, und dann wieder die Stille des Todes. Und jetzt fielen einige der vom Winde heraufgewirbelten Feuerflocken auf das Schindeldach ihr zu Häupten nieder, und sie sah, wie sich vom Platz aus aller Blicke nach der Höhe des Turmes und nach ihr selber richteten. Unter denen aber, die hinaufwiesen, war auch Gerdt. Den hatte sie mit ihrer ganzen Seele gesucht, und jetzt packte sie seinen Knaben und hob ihn auf das Lukengebälk, daß er frei dastand und im Widerscheine des Feuers von unten her in aller Deutlichkeit gesehen werden konnte.
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Und Gerdt sah ihn wirklich und brach in die Knie und schrie um Hülfe, und alles um ihn her vergaß der eigenen Not und drängte dem Portal der Kirche zu. Aber ehe noch die Vordersten es erreichen oder gar die Stufen der Wendeltreppe gewinnen konnten, stürzte die Schindeldecke prasselnd zusammen, und das Gebälk zerbrach, an dem die Glocken hingen, und alles ging niederwärts in die Tiefe."
Quelle:
Theodor Fontane: Romane und Erzählungen in acht Bänden. Band 3, Berlin und Weimar 2 1973, S. 103-107.
zitiert nach: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004776003

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Grete Minde an der Gerichts-
laube des Rathauses
Theodor Fontane ließ sich von dem Justizfall Grete Minde in Tangermünde zu einer Novelle anregen, die 1880 erschien. Doch Gretes Schicksal verlief anders als in der Erzählung Fontanes. Hatte sie 1617 wirklich die Stadt angezündet und Leid und Verderben über Tangermünde gebracht? Ihre Richter damals waren jedenfalls davon überzeugt, verurteilten sie zum Tode und ließen sie 1619 auf dem Scheiterhaufen brennen ... Und über 250 Jahre lang galt sie so als Brandstifterin und Verderberin der Stadt.

Drei Jahre nach Fontanes Novelle, 1883, hat Ludolf Parisius die alten Gerichtsakten erneut studiert und kam zu einem anderen Urteil. Heute wird Grete Mindes Bild differenzierter gezeichnet und es ist anerkannt, dass die junge Frau unschuldig sterben musste, weil "höhere" Interessen es offenbar verlangten.

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Auf Wikipedia kann man die Details zu ihrer Lebensgeschichte und zu ihrem Denkmal erfahren:
"Am 22. März 2009, also genau 390 Jahre nach ihrer Hinrichtung, wurde am Ort des Geschehens, vor dem historischen Rathaus der Stadt, in dem der Prozess gegen Grete Minde stattfand, eine lebensgroße Bronzeskulptur des Grafikers und Bildhauers Lutz Gaede enthüllt. Sie zeigt Grete Minde in Ketten und gebeugter Haltung. Diese Darstellung als Gefangene greift im Unterschied zu Fontane ausdrücklich auf die wirkliche, dokumentierte Geschichte der Grete Minde zurück und macht so auf das ebenso tragische wie dramatische Schicksal aufmerksam, welches sich real in Tangermünde abspielte und die historische Grundlage für Theodor Fontanes Novelle bildete."

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nach Wolmirstedt