Burgtürme in Sachsen-Anhalt - Teil 2: Gommern, Wanzleben
Nur etwa 15-16 km von Magdeburg entfernt liegen zwei Burgen: die eine in südöstlicher Richtung, die andere in Richtung Südwest. Fahren wir zuerst nach Südosten...

Zwei Türme in der Wasserburg Gommern


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Wasserburg Gommern

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Geschützt durch Wassergräben und Wallanlagen liegt die Burg Gommern malerisch in der Aue des Flüsschens Ehle. Dass diese heute so schönen Wiesen vor tausend Jahren eine sumpfige Gegend darstellten, kann man sich sehr gut vorstellen. Erstmals wurde die Burg in einer Urkunde Ottos I. unter dem Namen "Guntmiri" im Jahr 948 erwähnt, sie wurde wohl anstelle einer slawischen Vorgängeranlage (Wallburg?) erichtet. Die Lage war jedenfalls strategisch wichtig, denn es führten nur wenige hochwassergeschützten Wege (z. B. der Klusdamm) von Magdeburg in den Osten des Reiches.

Burg Gommern: (ehemaliger) Torturm und (heutiges) Burgtor
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Später kam der Burgward Gommern dann unter sächsische Herrschaft. Die sächsischen Herrscher ließen im 16. Jahrhundert die alten Gebäude größtenteils abtragen und die Burg als Jagdschloss herrichten. Der Bergfried der Kernburg (seine Mauern sind immerhin drei Meter stark) und der Torturm wurden aber nicht beseitigt - im Gegenteil: Der Bergfried wurde erhöht, bekam eine Wendeltreppe und als neues Dach eine "welsche Haube". Diese Dachform brachte dem nun etwa 40 Meter hohen Turm den volkstümlichen Namen "Zwiebelturm" ein.

Wasserburg Gommern: Bergfried
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Trotz des Umbaus blieben der typische Burgcharakter mit Wassergraben und Tor, Vorburg und Kernburg mit Bergfried, zum Glück erhalten. Auch die späteren Nutzungen unter preußischer Verwaltung als Amt oder als Haftanstalt (1853-1953) oder als Heim für "gefallene Mädchen" (es heißt natürlich korrekt: Heim für soziale Betreuung weiblicher Insassen, 1954-1969) oder als Lehrlingswohnheim (1969-1989) ließen Grundriss und Charakter der Anlage unangefochten. Mit der Privatisierung 1990 zog eine andere Zeit ein: Heute kann man im Burghotel romantisch übernachten, in der Gaststätte (*) gut essen und dabei das wohlschmeckende Gommeraner Bier der Hausbrauerei verkosten. Und im alten Torturm können Mutige jetzt ihren Mut tatsächlich unter Beweis stellen, indem sie vor Zeugen laut und vernehmlich kund tun: Ja, ich will...

Welchen Anblick die Wasserburg im Mittelalter vielleicht geboten haben könnte, das zeigt Wolfgang Braun in seiner -->Rekonstruktionszeichnung.

(*) Beim Blick in die Speisekarte der Burggaststätte erfährt man nebenbei auch die Geschichte der Burg. Hier ist der Text (kursiv) der ersten Seite:

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Die Geschichte der Wasserburg zu Gommern
Die Ursprünge der Burg reichen weit zurück. Sie wurde unter dem Namen "civitas Guntumiri" in einer Stiftungsurkunde des Bistums Brandenburg durch Kaiser Otto I. 948 erstmals urkundlich erwähnt.
Die feuchte, früher sicher auch sumpfige Ehle-Niederung bot eine ausgezeichnete, natürliche Schutzlage. Die Burg entwickelte sich zu einem Burgwardhauptort und hatte strategische Bedeutung für die Sicherung der Straßenverbindung in die umliegenden Gebiete.
Die Burg ist ihrem Bauplan nach eine Anlage des frühen Mittelalters. Die Burganlage ist eine für diesen Siedlungsraum typische, runde bis ovale Randhausburg, ein so genannter "sächsischer Rundling". Der Wassergraben umschloss einst als doppelter Graben mit dazwischen liegendem Wall den gesamten Komplex von Ober- und Unterburg.
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Als Eingangsbauwerk diente anfänglich der immer noch eindrucksvolle Torturm, in dem sich heute das Standesamt Gommern und die Hochzeitssuite des Hotels befinden. Das jetzige Portal und die darauf führende Bogenbrücke entstanden erst zu einem späteren Zeitpunkt, als man einen bequemeren Zugang zur Burg benötigte.
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Der Bergfried, der sich in der Oberburg befindet, diente mit einer Höhe von ca. 30 Metern vorrangig als Aussichtsturm für den weiten Blick in die Landschaft, um die Annäherung von Feinden rechtzeitig zu melden. Er konnte aber auch die Verteidigung der Vorburg unterstützen. 1579 wurde der Bergfried durch eine sogenannte "Welsche Haube" ergänzt. Schon ein Jahr zuvor begannen umfangreiche Umbaumaßnahmen. Bis auf wenige Teile wurde die gesamte Burganlage abgerissen und als Jagdschloss wieder aufgebaut.
Die Besitzer der Wasserburg zu Gommern wechselten häufig. Zum einen Teil wurde die Burg verkauft und zum anderen Teil anstatt eines Geldbetrages verliehen.

  • 965 kommt die Burg in den Besitz des Moritzklosters Magdeburg
  • im 12. Jahrhundert ist die Anlage vermutlich im Besitz Albrecht des Bären
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  • 1269 wechselt die Burg in das Besitztum der Herzöge von Sachsen
  • 1578 wird die Burg mit Ausnahme des Bergfrieds, des Torturms und der Keller abgerissen und ein Jahr später als Jagdschloss der sächsischen Herrscher wieder aufgebaut
  • ab 1815 gehört die Burg zu Preußen
  • ab 1853 wurde die Burganlage für hundert Jahre als Haftanstalt, danach als Sozialheim genutzt
  • ab 1970 bis 1989 diente die Burg zur Berufsausbildung und Lehrlingsheim des Volkseigenen Betriebs des Zentralen Reparatur- und Ausrüstungswerks (VEB ZRAW) Gommern
  • 1990 Verkauf der Burg durch die Stadt Gommern an private Investoren
  • heute befinden sich auf dem Burggelände ein Gasthof, die "Burgbräu"-Brauerei, ein Standesamt und ein Hotel mit 46 Gästezimmern

Textquelle: Burggasthof Gommern
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Zwei Türme in der Burg Wanzleben


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Burg Wanzleben, Bergfried
M.D.L. Im September.
Am 16. September ist Hertzog Jörg von Mechelnburg / wie man die richtige kundtschafft gehat / ungefehrlich etwan mit 3000. und etwas drüber / gutem Kriegsvolck zu fuss /und bey 200. pferden Reysigen in das stifft Magdeburg komen / Unnd anfencklich / hat er den Flecken Wantzleben eingenommen / Geplündert / und Ausgebrandt / Auch das Schloss daselbst angefallen / welches Bartel Eckelbaum von wegen der Alten Stadt Magdeburg / sampt dem kriegsvolck / so ihm aus der Stadt zu hülff geschickt / erhalten / Derhalben Hertzog Jörg von Mechelnburg auff dis mal ab gezogen / und nichts ausgericht.
Den 18. Septembris / sind die von Magdeburg mit ihren Burgern und Kriegsvolck / auch etlichem Geschütz und der Wagenburg / zu Feldt nach Wantzleben / Hertzog Jörgen und seinem Kriegsvolck unter augen gezogen / als in aber der Feindt in dem ansehen und kundschafften noch zu starck / auch die Sonne / Windt / und Staub / zum vorteil gehabt/ sind sie auff der Herrn Kriegs verstendigen Radt zu diesem mal wieder ab und durch Dessdorff zu haus / und in die Stadt verruckt.
Sebastian Besselmeier: Warhafftiger Bericht / des Magdeburgischenn Kriegs / Schlacht / Belagerung ..., 1552

So also war das: der Ort Wanzleben wurde 1550 geplündert und gebrandschatzt, doch als es dem Herzog von Mecklenburg dabei nicht gelang, die Burg einzunehmen, da zog er eben wieder ab...

Bergfried im Innenhof der Burg Wanzleben
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Ach, wenn alte Mauern erzählen könnten, sie wüssten wohl manches aus der 1000-jährigen Burggeschichte zu berichten. Erstmals wird die Burg Wanzleben im Jahr 968 (wikipedia) erwähnt. Ihre Besitzer und Nutzer wechselten mehrfach im Laufe der Zeit: Um 1100 vergibt das Stift Gandersheim die Burg als Lehen, die neuen Burgherren nennen sich daraufhin stolz Herren von Wanzleben.
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Burg Wanzleben, ehem. Torturm
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Burg Wanzleben, ehem. Torturm
Als ihnen nach mehreren Generationen aber das Geld ausgeht, verkaufen sie 1373 die Burg an den Erzbischof von Magdeburg. Bei den Kriegshandlungen 1550/51 verteidigt dann Bartel Eckelmann, offenbar ein Magdeburger (oder in deren Auftrag), mit seinen Leuten die Burg. Gegen 1580 wird kräftig umgebaut (mehr Wohnbequemlichkeit sollte her), dabei entsteht auch eine neue Einfahrt (mit erzbischöflichem Wappen über der Durchfahrt) und der alte Torturm verliert seine ursprüngliche Funktion. Im Dreißigjährigen Krieg sehen die Burgmauern den kaiserlichen Generalissimus Tilly und den schwedischen General Barner...

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Burg Wanzleben, Bergfried
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Burg Wanzleben, Bergfried
Später wird Wanzleben eine brandenburgisch-preußische Domäne; die alten Mauern sehen jetzt Friedrich II., die Königin Luise und Napoleon sollen auch hier gewesen sein. 1778 wird die Burg an den königlichen Amtsrat Kühne verpachtet. Die Familie Kühne hatte die Domänenpacht über fünf Generationen lang bis zur Bodenreform und Enteignung 1945 inne. Zu DDR-Zeiten nutzten verschiedene Verwaltungen, die LPG, der Kindergarten und andere Einrichtungen die Burganlagen. Nach der politischen Wende wurde die Burg wieder durch ein Mitglied der alten Pächterfamilie Kühne erworben, dem drohenden Verfall konnte so Einhalt geboten werden. Die Burg wurde rekonstruiert und schrittweise zu einem Hotel und zu einer Gaststätte ausgebaut. Und wenn Sie kulinarisch etwas Besonderes erleben wollen, dann fahren Sie doch einfach mal hin!

Die Burg Wanzleben ist eine Niederungsburg: Das kleine Flüsschen Sarre, versumpfte Teiche, doppelte Wälle und Gräben schützten die imposante Anlage. Der etwa 30 Meter hohe mittelalterliche Bergfried steht mitten im Burggelände.

Und Wolfgang Braun gibt mit seiner -->Rekonstruktionszeichnung auch hier eine Vorstellung davon, wie die Burg vielleicht einmal ausgesehen haben könnte.

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wird fortgesetzt...

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