Türme im Magdeburger Raum *)


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Turmruine Nordhusen
Sachsen-Anhalt ist eine alte Kulturlandschaft, in der sich eine Vielzahl von historischen Architekturzeugnissen erhalten hat. Die "Straße der Romanik" führt zu den großartigen Bauten aus längst vergangenen Epochen. Doch auch abseits der Straße findet man interessante Zeugnisse: Viele der alten Dorfkirchen im Umkreis von Magdeburg stammen aus der Romanik und erinnern mit ihren trutzigen Türmen (meistens sind es Westquertürme) an das umfangreiche Baugeschehen im 12./13. Jahrhundert.

*) Der Begriff ist willkürlich gewählt und bezieht sich auf einen Umkreis von 30-50 km rund um Magdeburg, die Auswahl der Objekte ist wie immer rein zufällig, stellt keine Bewertung dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Romanische Dorfkirchen in Magdeburgs Umgebung - Teil 1

Der Turm der Sankt-Marien-Kirche in Groppendorf

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Chorturmkirche St. Marien, Groppendorf
Die Marienkirche in Groppendorf gehört zu den (in dieser Gegend nicht so häufigen) Chorturmkirchen. Die ursprüngliche Kirche vom Anfang des 13. Jahrhundert war zunächst ein einfacher Bruchsteinsaal, an diesen wurden der Chorturm und östlich davon der unregelmäßig rechteckige Chor angebaut. Der Turm enthält rundbogige, teilweise vermauerte Schallöffnungen. Über dem Portal der Eingangshalle an der Südseite befindet sich ein romanisches Giebelkreuz mit später ergänzter Jahreszahl 1670. Die Baugruppe bietet einen malerischen Anblick.

Groppendorf, St. Marienkirche
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Turm und Spolie von St. Petri in Uhrsleben

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Petrikirche Uhrsleben
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"Uhr"sleben
Bereits im 10. Jahrhundert wird Uhrsleben ("Urleba") in den Urkunden der Kaiser Otto I. und Otto II. genannt. Der Ort lag offenbar günstig an der alten Heerstraße zwischen Magdeburg und Braunschweig, so dass 1051 der Marktort in einer weiteren Urkunde als Oppidum (mit Münz- und Zollrecht?) Erwähnung findet. Aus dieser Zeit stammen auch die Ursprünge der St.-Petri-Kirche. Die heutige Kirche mit Rechtecksaal ist allerdings barock verändert. Bei genauem Hinsehen erkennt man jedoch noch im westlichen Teil der südlichen Kirchenwand vermauerte Arkaden (durch den Verputz jetzt kaum noch zu sehen), vielleicht war hier sogar einst eine Basilika geplant, die aber nie zur Ausführung gekommen ist. Uhrsleben hat sich nicht zur Stadt entwickeln können, nach adligen Fehden und damit verbundenen Besitzwechseln verlor die Siedlung Anfang des 15. Jahrhunderts an Bedeutung.
Der aus Bruchsteinen gemauerte breite romanische Westquerturm zeigt an den Ecken sorgfältig bearbeitete Steinquader. Die kleinen Fenster bzw. Lichtöffnungen im Turm deuten ebenfalls auf eine frühe Entstehungszeit hin.

Turm der St. Petrikirche, Uhrsleben
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Ein besonderes Rätsel steht neben dem Südportal: Hier hat sich das Fragment einer Granitsäule erhalten. Vielleicht ist es eine spätantike (!) Spolie aus dem (ottonischen) Magdeburger Dom? (Dehio, 1)

Antike Spolie in Uhrsleben?
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(1) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, Regierungsbezirk Magdeburg, bearbeitet von U. Bednarz, F. Cremer, u. a., Deutscher Kunstverlag, 2002



Der Turm der Sankt-Marien-Kirche in Hakenstedt

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Marienkirche Hakenstedt
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Auch die Marienkirche in Hakenstedt geht auf die Zeit der Romanik zurück. Zumindest stammt der breite Westquerturm aus dieser Epoche. Das Kirchengebäude indes ist ein Saalbau aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der 1710/1711 noch einmal umfassend erneuert wurde. Hakenstedt wurde 1142 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der aus Bruchsteinen errichtete romanische Westturm ist offenbar später noch einmal erhöht worden: unter den Schallöffnungen des spätromanischen Glockengeschosses erkennt man leicht die zugemauerten Rundbögen.

Marienkirche in Hakenstedt
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Die Marienkirche in Hakenstedt enthält im Turm noch einen besonderen Schatz: Zwei Bronzeglocken haben die Jahrhunderte und Kriegswirren überdauert. Die jüngere Glocke wurde nach der Inschrift vom Magdeburger Glockengießer 1501 gegossen. Die ältere Glocke hingegen könnte aus dem 11./12. Jahrhundert stammen, sie besitzt noch die für Glocken aus dieser Zeit typische "Zuckerhut"form.


Turm, Uhr und Portal der Sankt-Paulus-Kirche in Wormsdorf

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Der Baubeginn der Wormsdorfer Pauluskirche wird um 1200 angesetzt. Sorgfältig behauene Sandsteinquader wurden bei dem Bau verwendet. Der querrechteckige romanische Westturm hat die gleiche Breite wie das Kirchenschiff, der rechteckige Chor ist etwas eingezogen. Die Ostwand des Chores zeigt vermauerte Fenster. Im oberen Teil des Turmes kündigt sich in den Formen des Glockengeschosses bereits die nahende Gotik an. Im unteren Teil des Turmes befinden sich innen zwei tonnengewölbte Räume, die ursprünglich mit dem Kirchenschiff verbunden waren (siehe Nordhusen). Gleich zwei Uhren sind am Turm angebracht: Denn wenn die Sonne scheint, kann man mit der Sonnenuhr den Gang der anderen kontrollieren...

Pauluskirche in Wormsdorf
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Hochinteressant ist auch das Südportal der Kirche: Ist die Gestaltung des rundbogigen Portals in dieser Form vielleicht sogar ursprünglich? Dann wäre es etwas Besonderes. Das Portal zeigt ein umlaufendes Profil und links und rechts im Rücksprung je zwei übereinandergestellte Säulen! Sehr ungewöhnlich. Wie man dem kleinen Schild entnehmen kann, wurden die Dächer von Chor und Sakristei vor kurzem instand gesetzt. Die Ostwand des Chores enthält hier ebenfalls zugemauerte Fenster.

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Der Turm der Sankt-Petrus-Kirche in Morsleben

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Im Dehio kann man lesen, dass der Westquerturm der Morslebener Kirche die Reste eines frühen dreiteiligen Westwerkes (11./12. Jahrhundert) mit als Turm weitergeführten Mittelbau zeigt (1). Davon ist von außen heute jedoch nichts mehr zu sehen. Ursprünglich war der Turm zum Kirchenschiff im Erdgeschoss (siehe Nordhusen) und ersten Obergeschoss durch Arkaden geöffnet. Die Kämpfer und Rundbogenansätze im Innern sind noch erhalten. Möglicherweise war die Konstruktion schon in romanischer Zeit instabil, die Arkaden sind vermauert, das Obergeschoss wurde bereits in der Romanik durch den querrechteckigen Turmaufsatz ersetzt. Das jetzige Glockengeschoss mit den großen seitlichen Fensteröffnungen stammt aus späteren Zeiten.

Petrikirche Morsleben
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Aus romanischer Zeit stammen auch das vermauerte Giebelsturzportal an der Südseite, die zwei romanischen Fenster der Nordseite und verschiedene, meist vermauerte, rundbogige Öffnungen im Kirchenschiff. In der Ostwand erkennt man noch einen vermauerten frühromanischen Kreuzstein.

St. Petruskirche Morsleben, Details
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(1) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, Regierungsbezirk Magdeburg, bearbeitet von U. Bednarz, F. Cremer, u. a., Deutscher Kunstverlag, 2002



Kirchenruine Nordhusen

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Etwa 30 Minuten Fußweg westlich von Hundisburg (schöner Wanderweg!) liegt die Ruine Nordhusen. Die romanische Turmruine ist der letzte Rest des Mitte des 15.Jahrhunderts wüst gefallenen Ortes Nordhusen. Erhalten blieben nur die Mauern des stattlichen Westquerturmes der Kirche auf einem Grundriss von 11,80 Metern Breite und 5,20 Metern Tiefe. Die Höhe beträgt etwa 17 Meter. Fünf Schallöffnungen befinden sich in oben in der Ostwand zum Kirchenschiff, je zwei Schallöffnungen an der Nord- bzw. Südseite. Im Erdgeschoss verbanden einst die zwei Rundbögen den Turm mit dem Kirchenschiff. Die Kirche Nordhusen könnte zwischen 1150 und 1200 errichtet worden sein, doch bereits im 13. Jahrhundert begannen die Bewohner den Ort zugunsten Hundisburgs wieder aufzugeben. Heute ist die Turmruine ein malerischer Blickpunkt im Landschaftspark Althaldensleben-Hundisburg und Bestandteil der "Straße der Romanik".

Ruine Nordhusen
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Am Weg befindet sich eine Informationstafel zur "Straße der Romanik", auf der man zur Geschichte zur Ruine Nordhusen Hundisburg folgendes lesen kann:

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Informationstafel Straße der Romanik: Ruine Nordhusen Hundisburg
1012   In einer Urkunde des Papstes Benedikt, worin die Grenze zwischen dem Erzbistum Magdeburg un dem Bistum Halberstadt beschrieben wird, ist das Gebiet um Hundisburg und Nordhusen erstmals genannt. Nordhusen gehört danach zu Halberstadt und Hundisburg zu Magdeburg.
1140   Hundisburg wird als "Hunoldisburch" erstmals erwähnt. Die Burg hat die Rolle einer umstrittenen Grenzfeste zwischen dem Erzbistum Madeburg und dem Herzogtum Braunschweig.
um 1200   Im Umfeld der Burg wird im Dorf Nordhusen eine Kirche mit breitem Westturm und schmalerem Langhaus errichtet. Schon wenige Jahrzehnte später verliert Nordhusen zugunsten von Hundisburg an Bedeutung. Um 1266 entsteht dort eine Kirche.
Im Verlauf des Mittelalters wird Nordhusen als Siedlungsplatz aufgegeben, die Kirche verfällt. Der Kirchturm bleibt erhalten. möglicherweise diente er der Hundisburger Schlossherrschaft als Warte.
1693-1712   Johann Friedrich II. von Alvensleben lässt das Schloss Hundisburg zu einem barocken Landschloss mit Gartenanlage ausbauen.
1811   Hundisburg kommt in den Besitz von Johann Gottlob Nathasius. Unter ihm wird zwischen dem Schloss und dem nahen Kloster Althaldensleben ein romantischer Landschaftspark angelegt.
um 1850   Unter Hermann von Nathasius werden im Bereich Nordhusen Baumpflanzungen vorgenommen. Die Kirchenruine dient als malerischer Blickpunkt der Parkanlage.
Anfang 20. Jh.   Im Zuge der Restaurierungsarbeiten zeigt sich, dass die Westfront großflächig ausgebessert werden muss.
Der stattliche, 17 Meter hohe Querturm erinnert an eine bedeutende Siedlung, die schon im Mittelalter zur Wüstung wurde. Weitere Hinweise darauf bieten ein teilweiser erhaltener Hohlweg und Reste der 1843 abgebrannten Wassermühle.

In Hundisburg laden das Schloss mit seinem 1991 rekonstruierten Barockgarten, der Landschaftspark sowie das technische Denkmal Ziegelei zum Besuch ein.

Textquelle: Informationstafel


Bild "Nordhusen2_04.jpg"Bild "Nordhusen2_05.jpg"Bild "Nordhusen2_06.jpg"   Ausser der malerischen
  Kirchenruine laden in
  Hundisburg das Schloss
  mit Barockgarten, der
  Landschaftspark und
  die alte Ziegelei ein.
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Im Landschaftspark Althaldensleben-Hundisburg: Blick von der Kirchenruine Nordhusen zum Schloss Hundisburg

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Romanische Dorfkirchen bei Magdeburg (Teil 2)