Türme an Feld- und Backsteinkirchen in der Altmark (und Umgebung)

Aktuell sind erst wenige Beispiele eingearbeitet: für den Backstein ist es die ehemalige Stiftskirche in Beuster und für den Feldstein die Dorfkirche in Buchholz. Weitere Beispiele zu Feldsteinkirchen in der Altmark folgen auf den nächsten Seiten ...

Stiftskirche St. Nikolaus in Beuster

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Nikolauskirche in Beuster
Das ist eine echte Überraschung: Wer sich auf dem Elberadweg dem Dorf Beuster nähert, ahnt sicher nicht, dass er hier mit der Nikolauskirche in Beuster möglicherweise eine der ältesten romanischen Backsteinkirchen nördlich der Alpen vorfindet!  
Seit 2007 ist der Ort Bestandteil der Straße der Romanik.


Eine Informationstafel klärt über die Geschichte der Kirche und Region auf:

Informationstafel: Stiftskirche St. Nikolaus
1147 2. Wendenkreuzzug. Heinrich der Löwe betreibt eine erfolgreiche
Expansionspolitik im Osten und wird Lehnsherr über Vorpommern.
um 1148   Im Gebiet der Wische siedeln sich flämische Einwanderer an. Das
Augustiner Chorherrenstift wird gegründet Beuster gehörte damals
zum Bistum Verden. Als Gründer wird Bischof Hermann (1148-1167)
angenommen. Sein Nachfolger Hugo (1168-1180) führt den Bau wei-
ter und sichert die Diözesangrenze alsGrenzstift gegen die Bistümer
Halberstadt und Havelberg. Andere sehen in den markgräflichen
Ministerialen der Edlen Gans, später die Edlen Gans zu Putlitz,
die Bauherren des Stiftes.
1149 Heinrich der Löwe betreibt die Wiedereinrichtung der ostelbischen
Bistümer Ratzeburg und Mecklenburg-Schwerin und beansprucht die
Investur der dortigen Bischöfe, die ihm 1154 von König Friedrich I.
übertragen wird.
ca. 1150 Erste romanische Bauphase. Apsis, Chor und Teile des Langhauses
    - 1172 werden errichtet. Die Stiftskirche ist die östlichste Kirche des
Bistums Verden und wahrscheinlich eine der ältesten Backsteinbau-
ten nördlich der Alpen.
1172-1184  Zweite romanische Bauphase. Mittelschiff, Seitenschiffe und Turm
werden errichtet. Der romanische Gründungsbau ist als dreischiffige,
querschifflose Pfeilerbasilika in Backsteinmauerwerk auf einer Grund-
fläche von ca. 37 x 16,50 Meter bis heute weitgehend erhalten.
1174 Friedrich Barbarossa bestätigt dem Bischof Hugo von Verden die
Grenzen seiner Diozöse in der Mark.
1246 Erste urkundliche Erwähnung. Konrad von Gottberg wird als Kano-
nikus des Stifts ernannt. Das Langhaus erhält im 13. Jh. einen
Fußboden aus quadratischen Tonfliesen.
1395 Bischof Otto, der gleichzeitig Erzbischof von Bremen war, erhebt St.
Nikolaus zur Kollegiatskirche.
um 1500 Spätgotische Umbauten. Innerhalb des Kirchenschiffes wird ein
neuer Turm errichtet. Im Langhaus wird die Flachdecke eingewölbt.
1618-1648 Im Dreißigjährigen Krieg wird die Kirche in Teilen zerstört.
1790 Dachstuhl des Mittelschiffes, Seitenschiffe und Ostgiebel des Chores
werden neu errichtet, der Fußboden wird aus barocken Backsteinen
hergestellt. Eine hölzerne Orgelempore wird eingebaut.
1862-1878 Es erfolgen zahlreiche romanisierenden Umbauten. Alle Gesimse wer-
den erneuert, der Rundbogenfries ergänzt und Wandfelder verputzt.
29.08.2001 Der Förderverein St.-Nikolaus-Kirche Beuster wird gegründet. Ziel
ist es, die Kirchengemeinde bei der Sanierung der Kirche zu unter-
stützen. 2001 beginnen die Sanierungsarbeiten. Das Dach wird neu
eingedeckt. 2003 werden die Sockelbereiche der Außenwände frei-
gelegt, Drainagen und Regenwasserableitungen verlegt. Im Innern
wird das im Laufe der Jahrhunderte angewachsene Bodenniveau
abgetragen. Dabei werden Reste des romanischen und gotischen
Lettners freigelegt.
2005 Neugestaltung der Außenflächen im Westen mit Resten des roma-
nischen Turmes. Der Haupteingang im Turm wird wiedererrichtet.
Mit freundlicher Unterstützung der Sparkassen-Finanzgruppe in Sachsen-Anhalt.
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Informationstafel in Beuster


St. Nikolaus in Beuster
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Dass in der romanischen 2. Bauperiode im Westen ein Turm mit ungewöhnlich starkem Mauerwerk bestand, war bis zu den Sanierungsarbeiten verborgen geblieben. Warum der ursprüngliche Turm abgebrochen und ein neuer Turm in das Schiff hineingebaut wurde (das auf diese Weise verkürzt wurde), ist bis heute ein Rätsel. Vielleicht lieferten statische Probleme den Anlass dafür, obwohl die Grundmauern des alten Turmes sehr kräftig sind. Der Grundriss des alten Turmes ist bei der neuen Eingangsgestaltung durch die Aufmauerung wieder sichtbar geworden.
Durch die Bodenabsenkung auf das ursprüngliche Niveau ist nach den Sanierungsarbeiten der romanische Innenraum (annähernd) wieder im Urzustand erlebbar. (Langhaus und Chor waren durch eine flache Holzdecke gedeckt, die Einwölbung erfolgte erst um 1500.)

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Die Dorfkirche in Buchholz (Altmark)

Der Bau der malerisch gelegenen romanischen Feldsteinkirche wird in die Zeit um 1140 datiert. Westquerturm, Kirchenschiff, eingezogener Chor und Apsis stellen eine romanische Dorfkirche vom sogenannten "vollständigen Typ" dar, auch wenn die Baunaht zwischen dem massigen Westquerturm und dem Kirchenschiff darauf schließen lässt, dass beide Teile wahrscheinlich nicht zu gleicher Zeit geplant waren. Der Zugang zum Schiff erfolgt durch ein romanisches Rundbogenportal an der Südseite, hier befindet sich auch ein weiteres romanisches Fenster und ein Okuli (ein Rundfenster). An der Nordseite der Kirche sind weitere romanische Fenster original erhalten. Der Turm wird durch massive Pfeiler gestützt.


Feldsteinkirche in Buchholz (Altmark)
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Türme an Feldsteinkirchen - Teil 1