Bronzefiguren und -gruppen in Leipzig - Teil 1

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Denkmal für die ermor-
deten Sinti und Roma
In einer großen Stadt wie Leipzig findet man natürlich nicht nur Denkmale sondern auch viele Kunstobjekte im öffentlichen Raum, die das Stadtbild bereichern und prägen. Auf Spaziergängen und Streifzügen kann man ihnen begegnen, dabei mag ihre künstlerische Qualität durchaus unterschiedlich sein. 2019 hat der Leipziger Stadtrat deshalb unter dem Titel "Leipzig // Stadt // Raum // Kunst" eine entsprechende Strategie und Richtlinie beschlossen und damit den "Anspruch, bildende Kunst programmatisch im öffentlichen Raum zu verankern und zu pflegen", unterstrichen. (www.leipzig.de)
Schauen wir uns ein wenig in Leipzig um!
Wie immer gilt: Die Auswahl ist rein zufällig und überhaupt nicht vollständig.

Wieland Förster: Geschlagener

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Wieland Förster gehört zweifellos zu den bedeutendsten Bildhauern der DDR. In den Grünanlagen am Leipziger Schwanenteich befindet sich ein verstörendes Werk von ihm: der Geschlagene. Doch dieser eiförmigen, hockenden und in sich gekehrten Figur ist trotz aller Verzweiflung und trotz des zugefügten unsäglichen Leidens die Würde nicht nehmbar. Die Figur entstand 1989, seit 2003 erinnert die Stadt Leipzig mit dieser Plastik an die wärend der Nazi-Zeit durch Zwangsarbeit umgekommenen und verschleppten Sinti und Roma. Auf der Gedenktafel im Boden liest man: " Zwischen 1933 und 1945 wurden zahlreiche Leipziger Sinti und Roma nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager deportiert und ermordet. Außerdem wurden Sinti und Roma aus Deutschland und dem besetzten Europa als Zwangsarbeiter in Leipziger Rüstungsbetriebe verschleppt, viele kamen dort um."

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In starkem Kontrast dazu steht

Das "Junge Paar"

Das innerstädtische Gebiet zwischen Brühl und Salzgässchen bzw. zwischen Reichs- und Katharinenstraße wurde 1969 als Sachsenplatz (mit Springbrunnen und Plastiken) gestaltet. Heute befindet sich hier das neuerbaute Museum der bildenden Künste, die Springbrunnen wurden ebenso wie die Bronzeplastik des "Jungen Paares" versetzt. Das Junge Paar allerdings nur wenige Meter, die Plastik befindet sich jetzt in der Reichsstraße.

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Langer Rücken...
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...soll entzücken...
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Die Bronzeplastik "Junges Paar" wurde von Klaus Schwabe (1939-2017) im Jahr 1968 geschaffen. Der Bildhauer war zusammen mit Frank Ruddigkeit und Rolf Kuhrt auch an dem monumentalen Marx-Relief über dem Eingang der Universität (1974) beteiligt.

Die "Familie"

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"Lange Rücken" gibt es auch in der Karl-Liebknecht-Straße. Hier befindet sich gegenüber dem Volkshaus die "Familie". Die Gruppe mit Vater, Mutter und Kind wurde um 1970 vom Bildhauer Rudolf Oelzner (1906-1985) geschaffen.

Familie
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Papa "Sitzriese"
Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) veröffentlichte am 5./6. August auf S. 11 einen Artikel, der einen kleinen Skulpturenrundgang in Leipzig zum Inhalt hatte. Dort äußerte sich Bildhauer Tobias Rost zur Familie: "Die Proportionen stimmen nicht. Würden die aufstehen, sähe das sehr eigenartig aus." (...) Es gehe um die Illustration eines sozialistischen Ideals - Vater, Mutter, Kind. Das Kind wird beschützt, aber es gibt einen gewissen Freiraum, es wird nicht festgehalten. Das führe dann zu einer kritischen Ansammlung von Händen, die fast alle auf einer Höhe sind, sagt Rost. (LVZ, J. Kleindienst)

Das junge Paar und die Familie sind Zeitgenossen der 1970er Jahre. 20 Jahre später zieren
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Unzeitgemäße Zeitgenossen

den Beginn der Grimmaischen Straße.

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Bernd Göbel schenkte die Gruppe, die zunächst "Beginn einer Reihe" heißen sollte, der Stadt Leipzig Ende 1990. Entstanden ist die Plastik allerdings bereits in DDR-Zeiten, von 1986 bis 1989. Den Guss führte bewährtermaßen die Leipziger Kunstgießerei Noack aus. Auf einem T-förmigen Balken stehen/balancieren fünf (nackte) Figuren auf geometrischen Körpern, jede der "...tiker/...tikerin"  ist mit einem goldenen Detail versehen.

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Die "Pädagogikerin" hält einen goldenen Hammer in der Linken, soll der zum Einhämmern taugen? Neben ihr steht der "Diagnostiker", sein Hörrohr ist tief ins Ohr gesteckt, denn wahrscheinlich hört er das Gras wachsen. Die "Rationalisatikerin" fasst sich grübelnd ans Kinn, ihre Säge taugt natürlich nur zu Einschnitten. Wohingegen der "Stadtgestaltiker" keine halben Sachen macht: Augen zu und entschlossen die Sprengung ausgelöst - wumm, weg ist der Altbau. Goldener Lorbeer ist der Lohn. Etwas schwerer hat's der "Kunsttheoretiker": um sich eine goldene Nase zu verdienen, muss man wohl sehr genau die dafür erforderliche Stimmung erfassen.

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Zwei "Gnome" versuchen, die brüchige Stele zusammenzuhalten. Es lohnt sich, die Zitate auf dem Querbalken und der Stele zu entdecken und zu lesen. Von wem diese stammen? Bernd Göbel hat die Initialen angefügt. Hier die Hilfestellung: R. H. - Rolf Hochhuth, J. W. G. - Johann Wolfgang Goethe, B. B. - Bert Brecht, V. B. - Volker Braun, T. A. - Tschingis Aitmatow, M. G. -  Michail Gorbatschow, ST. H. -  Stefan Heym, T. M. - Thomas Müntzer, S. J. L. - Stanislaw Jerzy Leç, L - Lukas, Kapitel 18
Und nun das Rätsel: Ordnen Sie bitte die folgenden Zitate ihren Autoren zu:
- Bedenke vielfältig, was zu tun ist.
- Jede Hoffnung ist eigentlich eine gute Tat.
- Wer über sich selbst den Sieg erringt, erringt auch den Lohn.
- Selbstverständlich darf man einem Prinzip ein Leben opfern - doch nur das eigene.
- Viele kleine Männer machen eine Nation aus.

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Erst eins, dann zwei, dann drei, dann fünf - wir beenden unseren kleinen Rundgang deshalb jetzt am besten mit einem Riesenschritt, denn weiter in Richtung Innenstadt gelangen wir vor dem "Zeitgeschichtlichen Forum" zum

Jahrhundertschritt

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Der "Jahrhundertschritt" von Wolfgang Mattheuer (1927-2004) aus dem Jahr 1984 führte bereits auf den Kunstausstellungen der DDR zu vielfältigen Diskussionen.
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Die linke Hand als Arbeitergruß zur Faust geballt, die rechte stramm zum faschistischen Gruß erhoben, die Beine weit ausschreitend und doch an das Hakenkreuz erinnernd, wird die Grundaussage der Figur schnell deutlich: Es ist das Verhältnis der Deutschen zu den Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Der Kopf ist ganz klein, eingesunken, beinahe verschwunden, er wird ja auch nicht gebraucht, wenn Ideologien nicht hinterfragt werden... Kann man aus der Geschichte lernen? Aus künstlerischer Sicht könnte an der Gestaltung der Plastik einiges bemängelt werden, dennoch gehört die Figur mit ihrer (ja - plakativen) Botschaft mit zu den wirkungsvollsten Werken der bildenden Kunst der DDR. Vier weitere farblich unterschiedlich behandelte Exemplare existieren noch in Halle, Potsdam, Bonn und Berlin.

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