Brunnen und Wasserspiele in kleineren und mittleren Städten Sachsens und Sachsen-Anhalts:

Brunnen und Wasserspiele in Dessau und Zerbst


"Stadtgespräch" - Brunnen im Stadtpark von Dessau

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"Stadtgespräch"
Im Stadtzentrum, unmittelbar westlich der historischen Kernstadt gelegen, bietet der Stadtpark von Dessau eine bemerkenswerte Grünfläche, in der sich Jung und Alt erholen können. Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde auch der Stadtpark neu gestaltet, ein Kinderspielplatz angelegt sowie verschiedene Skulpturen und Plastiken aufgestellt. Der kleine Springbrunnen des Jahres 1927 wurde 1972 zu einer beachtlichen Fontäne umgestaltet.

"Stadtgespräch" - Brunnen in Dessau
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2002 wurde die inzwischen verschlissene Anlage von der Künstlerin Christine Rammelt-Hadelich neugestaltet. Der neue Brunnen thematisiert in bester Bauhaustradition die Begriffe Stadt und Wasser und trägt den schönen Namen "Stadtgespräch".

"Am Fenster"
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An und aus stilisierten Fensterrahmen lehnen und beugen sich die Menschen und beobachten das Geschehen. Kinder spielen am Wasser, ein Liebhaber trägt seinen Blumenstrauß, eine Kaffeekanne ist zu sehen ... Welche Geschichten mögen wohl mit den Menschen verbunden sein?

"Stadtgespräch" in Dessau
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Christine Rammelt-Hadelich hat sich zum Brunnen geäußert und ihre Vorstellungen erläutert. Ihre Gedanken werden - leicht bearbeitet und gekürzt - im Folgenden wiedergegeben. Dabei ist zu ergänzen, dass der im Text angesprochene beabsichtigte äußere Ring der Brunnenanlage mit Figuren historischer Persönlichkeiten bisher leider nicht realisiert wurde.

Stadtgespräch
In jeder Stadt gibt es Stadtgespräche. Zumeist sind sie kurzlebiger Natur, sie werden geführt und bald darauf wieder vergessen. In Dessau bekommen sie mit dem Brunnen eine dauerhafte Gestalt.

So ist der Grundgedanke der Anlage eine bildhafte Umsetzung von Gegenwart und Geschichte der Stadt Dessau anhand ihrer Menschen. Kein spektakuläres Geschichtsbuch, keine Tafel mit Namen, Ereignissen und Jahreszahlen soll den Betrachter belehren. Stattdessen bildet eine symbolische kleine Stadt, bewohnt von Jung und Alt, das Zentrum der Anlage. Ringförmig umgeben wird dieses "Heute" von Menschen aus der Geschichte der Stadt Dessau. Menschen, die hier Bedeutendes geleistet haben in Politik, Kunst, Kultur und Technik... Was sie hinterlassen haben - den Geist der Aufklärung, Schlösser und Gärten, Philosophie, Pädagogik, die Architektur der Moderne, Musik und Dichtung - macht zum großen Teil die Identität dieser Stadt und dieser Region aus.

Der Dialog zwischen den lebensgroßen Figuren des Lebenskreises und den sie umgebenden halblebensgroßen historischen Persönlichkeiten soll den Betrachter einbeziehen und ihn direkt mit ansprechen. Jeder der mag, kann hier verweilen, kann die Brunnenmitte betreten und die Figuren aus der Nähe betrachten oder berühren. Oder er kann auf den Bänken zwischen den äußeren Figurengruppen sich Zeit für eine Pause nehmen.

Die Gestaltung:
I.
Die Brunnenanlage ist als Zwölfeck ausgebildet. Das Becken überspannt 16 Meter im Durchmesser und hat in seiner Mitte eine dreistufige Basis. Darauf erhebt sich ein dreiteiliges Architekturfragment mit Fenstern, Türen und Bewohnern: ein Symbol für die Stadt Dessau. Die sechs Bronzeplastiken beschreiben den Lebenskreis: Kindheit, Jugend, Alter; männlich und weiblich.

Ein Knabe von vielleicht sechs Jahren hockt auf einem Stein und spielt begeistert mit dem Wasser einer Fingerdüse. Er ist ganz eins mit seinem Spiel. Die junge Mutter, ihm gegenüber, antwortet diesem Spiel und schickt Wasser aus einer Düse zurück. Sie ist mit einem langen, weich fallenden Rock bekleidet und lächelt mild über den Eifer des Knaben.
Die begehbare Seite des Beckens lädt kleine und große Menschen zum Besuch ein.

Die Figur des jungen Mädchens - fast schon eine junge Frau - ist wohlgeformt. Aus dem oberen Fenster blickend, steht sie ein wenig lax, aber neugierig da, um zu beobachten, was vor dem Haus passiert. Selbsbewusstsein, Offenheit und Frische verkörpert sie in luftiger Höhe. Neben ihr im Fenster steht eine Kanne, die Wasser speit.

Unten im Haus lehnt lässig ein Jüngling an der Wand. In einem Buch lesend, ist er ganz in sich gekehrt und beschäftigt mit seiner Lektüre. 'Am Brunnen vor dem Tore, da steht eine Lindenbaum...' so schrieb Wilhelm Müller als junger Mann eines seiner schönsten Gedichte, das hier Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten nimmt.

Neben dem Jüngling stapeln sich weitere Bücher im Fenster, Symbole für Bildung, Aufklärung und Geschichte, die drei wesentlichen Etappen auf Buchtiteln benennend. Die Aufklärung unter 'Vater Franz' wird symbolisiert durch ein dickes altes Buch mit dem Initial 'F' auf dem Deckel. Das 'bauhaus'-Buch liegt darunter, ebenso ein Buch über 'Junkers', wie auf den Buchrücken zu lesen ist. Eine kleine Sammlung von Blättern steht seitlich im Fenster, sie nennt den Titel 'Stadtgespräch', die Autorin und den Realisierungszeitraum der inneren Anlage 1999-2001.

Im Nachbarhaus schaut eine gemütliche alte Frau aus dem Fenster. Sie strahlt Gelassenheit und 'alle-Zeit-der-Welt-haben' aus, blickt mit wissendem Lächeln auf die historischen Figuren im äußeren Ring und auf die vielfältigen Besucher des Brunnens. Diese beiden Figuren - der Jüngling und die Alte - bilden den Ruhepol im Zentrum der Anlage.

Als Symbol von Weisheit und Naturschutz ist außerdem eine wasserspeiende Waldohreule am Haus der alten Frau zu Hause. Dem Spaziergänger in und um Dessau steht ihr Bild für die zahlreichen Biosphärenreservate der Gegend. Hier hat sie in der symbolischen Stadt ihren Platz gefunden.

Ganz direkt und mit großer Geste schreitet ein schon etwas älterer Mann im wehenden Mantel, einen Blumenstrauß im Arm, auf die Kavalierstraße zu. Sein Bauch wölbt sich selbstbewusst. Das Ziel seines Weges bleibt zwar ungewiss, lässt sich aber erahnen. Die offene Art seiner Bewegung drückt unmittelbare Vitalität aus.

Brunnen sind von jeher Lebensquell und Treffpunkt. So soll auch dieser Brunnen ein Sinnbild für Lebensfreude und Gemeinschaft in dieser Stadt sein.

II.
Der äußeren Ring der Anlage mit den historischen Figurengruppen wurde bisher leider nicht realisiert.
Folgende Persönlichkeiten sollten diesen äußeren Ring bilden:
- das Fürstenpaar Franz (1) und Luise, in einem von ihnen angelegten Park spazierend
- der Dichter Wilhelm Müller und der Musiker Friedrich Schneider mit Liedertexten und Noten
- der Philosoph Moses Mendelssohn und der Pädagoge Johann H. Basedow im Gedankenaustausch
- die Architekten Friedrich W. von Erdmannsdorff und sein späterer Kollege Walter Gropius, an einem Tisch sitzend und Modelle ihrer Bauten konzipierend
- der Erfinder und Unternehmer Hungo Junkers, mit Flugzeugmodell und Turbine
- Kurt Weill, am Klavier sitzend, dabei eine seiner Melodien nach Texten von B. Brecht spielend

Vorgesehen waren dafür sechs tischhohe Sockel mit halblebensgroßen Figurengruppen im Wechsel mit fest montierten Bänken. Jede Figurengruppe sollte als Basis eine ca. 20 cm hohe Plinthe bekommen, auf der als Relief Ornamente der jeweiligen Zeit abgebildet werden sollten sowie Texte zu den Personen, Namen, Lebensdaten und ihr Bezug zu Dessau. Der Betrachter, der auf einer Bank am Brunnen Platz nimmt, hätte die Gruppen in gut sichtbarere Höhe vor sich. Auch Kinder könnten die dargestellten Personen in Typus, Haltung und Mode gut betrachten. Die Figuren wenden sich bevorzugt dem Brunnen zu, so dass ein Dialog zwischen der symbolischen Stadt im Zentrum und ihrer Geschichte, die sie umgibt, entstehen würde. Der Betrachter könnte an diesem Dialog teilnehmen und eine Zeitlang dazugehören.

Der Kontrast, der aus der Darstellung einer symbolischen Stadt aus Beton und der in ihr lebenden Menschen als Bronzen entsteht, verdeutlicht auch die Gegensätze, die das moderne Leben bestimmen. So schön eine Architektur auch sein mag, erst die Menschen, die sie als 'Behausung' brauchen, füllen sie mit Sinn und Leben. Häuser, Menschen, Körper, Beton und Bronze sind Kontraste, die sich ergänzen und gegenseitig in ihrer Wirkung steigern können.

Beim Gang um den Brunnen erschließt sich dem Betrachter mit jedem Schritt eine neue Sicht auf die Gestaltung. Die Figuren sind mal sichtbar, mal verdeckt, die optische Wahrnehmung der Umgebung, die durch die Fensteröffnungen Bestandteil der Ansicht ist, wird beim Rundgang verändert. Das Spannungsfeld der Umgebung fließt so mit in die Gestaltung des Brunnens ein: Nach Osten und Süden muss sich der Brunnen vor den umstehenden Häuserblöcken behaupten, beim Blick nach Westen ist er ihn in die Kulisse des Stadtparks mit seinen üppigen alten Baumkronen eingebettet.

(1) Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, genannt Fürst Franz oder 'Vater' Franz

Quelle: nach einem Text von Christine Rammelt-Hadelich, leicht bearbeitet und gekürzt.

(Herzlichen Dank an Frau Christine Rammelt-Hadelich für die Überlassung des Textes. Bleibt zu hoffen, dass vielleicht eines Tages doch noch die schöne Brunnenanlage mit dem äußeren Ring vervollständigt wird, denn nur dann erschließt sich die Idee des Raum und Zeit übergreifenden "Stadtgesprächs" als Ganzes!)


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Brunnen und Wasserspiele in Zerbst

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Fontäne im Schlosspark Zerbst
Noch kurz vor Kriegsende ist im April 1945 die Altstadt von Zerbst zerstört worden, viele wertvolle Bauten und das  geschlossene historische Stadtbild sind seitdem verloren. Und doch finden sich in Zerbst bedeutende Zeugnisse der Geschichte, es ist wie ein Puzzle, das nach und nach langsam wieder zusammengesetzt wird. Engagierte Bürger und Vereine kümmern sich um die Verschönerung der Stadt. Seit 1997 ist der Toskanische Brunnen auf dem Markt wieder errichtet, der Wasserjette wurde ein Brunnen gewidmet und seit 2010 steht im Schlosspark das Denkmal der Zarin Katharina II., die ja bekanntlich eine Zerbster Prinzessin war ...

Toskanischer Brunnen und Quellstein auf dem Markt in Zerbst

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Der "Toskanische Brunnen" befindet sich direkt neben den historischen Figuren des Rolands und der Butterjungfer. Er erinnert an die Zeiten, als das Wasser noch mit Eimern vom Brunnen geholt werden musste und die Mägde sich hier trafen, um Neuigkeiten auszutauschen ...

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Am unteren Ende des Platzes sprudelt seit einiger Zeit der "Quellstein". Da sollte man aufpassen, dass man diesen nicht mit einer Ruhebank verwechselt, so kurz vor der Inbetriebnahme ...

Die "Wasserjette"

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Dieser Brunnen erinnert ebenfalls an wasserleitungslose Zeiten und setzt Henriette Schulze, genannt "Wasserjette", ein Denkmal. Henriette verdiente ihren Lebensunterhalt durch Wasserfahren. Bis zum Wasserleitungsbau Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Wasser aus dem Flüsschen Nuthe geschöpft, in Fässern mit einem Karren in die Stadt gebracht und verkauft. Den Brunnen gestaltete der Bildhauer Joachim Sendler im Jahr 1984.

"Wasserjette", Zerbst
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nach Freiberg in Sachsen