Brunnen und Wasserspiele in kleineren und mittleren Städten Sachsens und Sachsen-Anhalts:

Brunnen in Oschatz und Mügeln

Der Marktbrunnen in Oschatz (Neumarkt)

Eine wundervolle Stadtansicht bietet der Marktplatz (Neumarkt) von Oschatz mit dem prächtigen Rathaus, der St.-Aegidien-Kirche und dem malerischen Marktbrunnen. Am Brunnen speien unten am Wasserkasten vier Löwenköpfe das Wasser, oben auf dem Gebälk hält ein schreitender Löwe das Oschatzer Stadtwappen in seinen Tatzen. Der zuletzt 2001 schön restaurierte Brunnen stammt aus dem Jahr 1589 und wurde von dem Leipziger Steinmetz Gregor Richter nach dem Vorbild des einstigen Goldenen Brunnen in Leipzig geschaffen.

Marktbrunnen in Oschatz (Neumarkt)
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Der Oschatzer Marktbrunnen ist ein typischer Vertreter und ein bedeutendes Beispiel eines Brunnens der Renaissancezeit und widerspiegelt das damalige Bemühen nach Repräsentation und nach Verbesserung der Wasserversorgung.

Details am Marktbrunnen)
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Solche Brunnen mit runden oder mehreckigen Wasserkästen wurden in der Regel auf öffentlichen Plätzen errichtet. Ähnlich gestaltete Brunnen aus dieser Zeit findet man bis heute in Mainz (Marktbrunnen von 1526), Merseburg (Marktbrunnen von 1545), Herfurt (Neustädter Brunnen von 1599), Hammelburg (Marktbrunnen von 1600), Lutherstadt Wittenberg (Marktbrunnen von 1617).

Details am Brunnen, Marktplatz
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Der Oschatzer Marktplatz gehört zweifellos mit zu den schönsten historischen Marktplätzen in Deutschland.
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Der Altmarktbrunnen in Oschatz

Alles fließt - Inschrift an der Brunnensäule
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Brunnen auf dem Altmarkt
Nur wenige Schritte vom Rathaus entfernt erfreut auf dem Altmarkt ein vom Oschatzer Bildhauer Joachim Zehme neugeschaffener Brunnen Einheimische und Gäste der Stadt. An diesem Brunnen lassen sich eine Fülle von Details entdecken, der Brunnen nimmt vielfältig direkt und verschlüsselt Bezug auf die "Schätze", die mit Oschatz verbunden sind ... Dieser Altmarktbrunnen wurde 2004 geschaffen und ist eine Anspielung auf den Stadtnamen: O Schatz ... Doch nicht nur das: Die versteckten Symbole, Allegorien und Anspielungen verbinden auch die Kreisläufe des Wassers, der Jahreszeiten und des Lebens miteinander.  
Lassen wir den Bildhauer des Brunnens, Joachim Zehme, selbst zu Wort kommen: "Der Altmarktbrunnen zu Oschatz aus sächsischem Sandstein ... ist die lebensfrohe Antwort auf den märchenhaft schönen Namen der Stadt und macht diesen Namen in jugendlicher Leidenschaft beziehungsreich zu den 'Kreislauf'-Themen Wasser und Leben. [...] Die zum Altmarkt gewandte Seite [blickt] gegen den Abend (Westen) als eigentliche Haupt- und Stadtseite. Diese bespricht die freimachende Heiterkeit der Reife und Ernte [...], die Verehrung und Liebe zu Oschatz [...] und spricht den krönenden, doppelten Segenswunsch aus, dass Oschatz auch in Zukunft ein behüteter Schatz bleiben möge. [...] Durch die Vielfalt und Mehrdeutigkeit des Ausspruchs 'O Schatz' gibt sich das Werk dem geneigten Betrachter als Schatzbrunnen zu erkennen, der zur intensiven Betrachtung, zum Nachdenken und zum Verweilen einlädt." (Joachim Zehme, Bildhauer)

Altmarktbrunnen in Oschatz
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Viele Assoziationen lässt das Bildprogramm des Brunnens zu. Verweilen wir also und folgen mit Joachim Zehme einigen Spuren:

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Am Brunnenbecken sind vier Köpfe angebracht, die in die vier Himmelsrichtungen schauen aber auch Allegorien auf die vier Tageszeiten, die vier Jahreszeiten und die vier Lebensalter darstellen. Sie korrespondieren mit den darüberliegenen Wappentafeln.
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So steht der runde blumengeschmückte Mädchenkopf der Ostseite für den Frühling, den Morgen und die Kindheit. Das ist der Anfang. Entsprechend finden wir im Wappen die Inschrift: "Der Frühling ist Beginn, ein guter Start Gewinn". Der Frauenkopf an der Südseite trägt dagegen Getreideähren im Haar - er bedeutet Sommer, Mittagshitze und Jugend. Folgerichtig lautet die Inschrift "Der Sommer ist Reife, die begreife". Der Kopf an der Westseite scheint von ausgelassenem Frohsinn zu künden, er hat Weintrauben im Haar (Inschrift am Wappen: "Der Herbst ist Wein, sollst glücklich sein.") und stellt natürlich die Erntezeit, den Herbst, die Reife und den fröhlichen Abend dar... Für die Nordseite bleiben nun die Winterzeit, die Nacht, Alter und Tod übrig, die von einem alten bärtigen Männerkopf symbolisiert werden. Doch der Winter ist nicht das Ende, er birgt auch den Neuanfang und so lautet die Inschrift am Wappen: "Der Winter ist Weisheit, die bringt dir eine neue Zeit".

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Es gibt insgesamt acht vergoldete Wappentafeln am Sockel, die mit ihren Reliefs, Sternzeichen, Sprüchen und Bibelzitaten vielfältige Assoziationen zulassen. Die unterschiedlich dargestellten Wappenlöwen stellen sowohl einen Bezug zu verschiedenen Temperamenten als auch zu den unterschiedlichen Blütezeiten der Stadt dar.

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Über den Himmelsrichtungen speien vier Tierfiguren Wasser in das Becken, die als Vogel, Drache, Elefant und Fisch zu erkennen sind und so die vier Elemente Luft, Feuer, Erde und Wasser verkörpern, die wiederum im Zusammenhang mit den Temperamenten aber auch mit den vier menschlichen Figurenpaaren stehen ... So gehört zur Luft die Musik und der Trompete blasende Musiker (1), zum Feuer der Schmied mit seinem Hammer, zur Erde das Gärtnerpaar mit Schaufel und Rose und zum Wasser der Fischer ... Jedes Paar ist über eine goldene Schale miteinander verbunden.
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Viele weitere Details und Symbole sind zu entdecken und regen zum Phantasieren an: zum Beispiel eine Eule als Symbol der Weisheit, Nasen auf dem Gewand für den Duft des Frühlings, Kronen mit unterschiedlicher Anzahl der Zacken für fortschreitenden Adel, das Herz in der Hand und Flicken auf dem Gewand (trotz Krone) als Symbole der Liebe und des inneren Reichtums ... Auch die acht Tugenden lassen sich erahnen: die Hoffnung, die Menschlichkeit, die Tapferkeit, die Gerechtigkeit, die Klugheit, die Liebe, die Mäßigkeit, die Geduld ... doch schauen und rätseln sie selbst!
(1) Der Musiker trägt auf seinem Gewand den Umriss der Frauenkirche in Dresden und die Züge des bekannten Trompeters Ludwig Güttler.

Oschatz, Brunnen auf dem Altmarkt
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Die Brunnensäule wird bekrönt durch drei Figuren, die von der Ost- und Westseite einen unterschiedlichen Anblick bieten. Auf der Ostseite ist es eine Frau mit ihrem Kind, die stark an Maria und den Jesusknaben erinnert. Das Kind hält in der Hand eine Kugel (die Weltkugel?) und deutet mit zwei Fingern der rechten Hand (ähnlich dem Segensgruß) in Richtung der St. Aegidienkirche ... Die Frau hat sich selbst an die Kette gelegt - sie übt sich in Geduld (eine der acht Tugenden). Eine Schildkröte als Symbol der Langsamkeit/Ewigkeit schaut ihr aus dem Gewand ...
Auf der anderen Seite der Säule nach Westen (die Hauptansicht) vervollständigt ein alter bärtiger Mann mit Flügeln, Sanduhr und einem goldenen Sonnenrad die Dreiheit der Bekrönung. Es ist die Allegorie der Zeit, die weit über den Marktplatz in die Zukunft schaut mit dem sich drehenden Rad in dessen Mittelpunkt wiederum das Auge Gottes als Symbol der Ewigkeit zu erkennen ist ... So schließt sich der Kreis: Möge Oschatz ein immerdar behüteter Schatz bleiben!

Quelle: Der Altmarktbrunnen zu Oschatz von dem Oschatzer Bildhauer Joachim Zehme,
Berthold und Joachim Zehme (Hrsg. u. Red.), 2. Auflage, 14. März 2008, Oschatz  
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Brunnen in Mügeln

Mügeln ist eine liebenswerte Kleinstadt mitten in Sachsen, nur wenige Kilometer von Oschatz entfernt. Hier befand sich ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt des sächsischen Schmalspurnetzes, der Bahnhof Mügeln soll sogar einst der größte Schmalspurbahnhof in Europa gewesen sein. Auch heute noch kann man mit der Schmalspurbahn ("Wilder Robert") von Oschatz nach Mügeln (und umgekehrt) fahren.

Brunnen auf dem Marktplatz in Mügeln
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Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus befindet sich ein kleiner Brunnen, dessen vier weibliche Greifen (oder Sphingen?) Wappen- bzw. Schrifttafeln in den Tatzen halten. Doch eindrucksvoller ist der neue Altmarktbrunnen in Mügeln, dessen Reste bei Bauarbeiten entdeckt wurden und der sich nach seiner Neugestaltung seit 2005 unübersehbar in einer Ecke des kleinen Platzes präsentiert. Der Bildhauer Joachim Zehme schuf hier mit der Brunnenstatue des "Heinrich von Mügeln" einen Blickfang, mit dem an eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit des Mittelalters erinnert wird.

Heinrich-von-Mügeln-Brunnen
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Der Minnesänger ist mit einem Pelicanus pictorum , dem Sinnbild aufopfernder Liebe, dargestellt. Dieses Sinnbild kommt in einem der unten aufgeführten Gedichte vor. Wer war Heinrich von Mügeln?

Heinrich von Mügeln

Heinrich von Mügeln wurde um 1319/20 in Mügeln geboren und gilt als einer der zwölf Meistersinger des Mittelalters (zu den Meistersingern gehören z. B. auch Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Hartmann von Aue u. a.). Sein bekanntestes Werk ist "Der meide kranz", ein allegorisches Preisgedicht. Heinrich von Mügeln war auch ein einflussreicher Fabeldichter und Minnesänger.

Die folgenden zwei Minnelieder und die Fabel stammen aus seiner Feder:

V.
1. Sehet wie des Meien hant dem winter drouwet
und êchtet in in ouwen oberal,
In die er vîol klê blumen strouwet
und junget heide und das gefilde val.
Saf fruchtig Meien in dorre este twinget,
durch die er loub blut und die fruchte dringet
und wetet grunen berg anger tal.

2. Was helfen mich die blumen, sind mîn frouwe
mir gibet orloub oft und swachen trotz?
Si spricht, mîn flog nicht toge in ir ouwe,
wes salle si mich furen âne notz?
die sachsen feder und die schelle verlorn
in irem dinst ich habe, des si vorkorn
mich hât und spricht "was sal der alte lutz?"

3. Mîns lebens am, ich suche oft gluckes wege,
wie ich dîn ger erfulle und den mut.
Nu sint mîns alders flogel worden trêge,
das ich erîle selden vogel frut.
Kan ich dir nicht erfligen noch erwerben,
doch nim vor gut, jô wolde ich fur dich sterben,
als vor die sînen pellikânus tut.
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VII.
1. Wie bin ich von der guten nu gescheiden,
die vor was mînes leides widerslag.
Die sin mich lân vor oberswenken leiden,
sind ir mîn herze nicht vorgezzen mag.
Ach got, solt ich si schouwen,
nicht gerte ich frouden mê:
ich hofte ir gute durch mîn herze touwen,
das sust berîfet stêt in jâmers wê.

2. Nâch ir mîn herze senet sich durch schulde,
das stête gut in êren an ir vant.
Rath wir pin smertzen grauw ruff in hulde
die in mir hât gebûwet dîns zornes hant.
In senelîchen komer
mîn herze ist gar gesat:
wende leides norden, lib, in frouden somer,
das mir dîn stûre, frouwe, icht kome zu spat.

3. Mîn herz sich ant: das ist nâch schaden munder
und suchet das im ê genâde bôt.
Sîn smerz dich mant, lib, mîns heiles zunder!
du machst erleschen und entflammen nôt.
Nu suche ich trôstes gute:
nu ist veile nicht
dîn sunderlôn. mir vor ûz milde blute
leit, herze, das dîn schulde hât geticht.
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Fabel:
I.
Ein esel vant eins louwen hût und zôch si an.
er sprach "mich hât gelucke brâcht ûf dese ban:
mîns herren gunst hân ich mich gar erwegen.
Die kleinen tir gemein und ouch der herre sîn
die leden alle vor im grôße pîn.
dô er des louwen sprunge solde phlegen,
wie tump dô was sîn eselî!
sîn obermut in grôzem zorne brante.
die ôren ûz der hûte fri
im worden: dâbî in der herre kante.
er gab im einen kûlen slac:
er sprach "du esel woldest mich betrigen!"
er bant im weder ûf den sac:
dô muste er sich in grôzen schanden smigen.
kint, gere valscher lêre nicht nâch eselischer wîse.
du salt anzien dîns vaters wât,
das ist mîn rât.
nicht trit ûf fremdes lobes zil, so stêt dîn êre in prîse.

Quelle: Fabeln und Minnelieder von Heinrich von Müglin
herausgegeben von Wilhelm Müller, Göttingen 1848

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nach Plauen und Reichenbach