Figuren und Reliefs in aller Welt:

Paris: Skulptur und Plastik im Jardin des Tuileries - Teil 2

André Le Nôtre gestaltete im 17. Jahrhundert den ursprünglichen italienischen Renaissancegarten um: er schuf entlang der Mittelachse eine symmetrische "französische" Anlage mit zwei Wasserbassins. Die Gartenanlagen sind nach den Vorstellungen Le Nôtres vor wenigen Jahren restauriert worden und erfreuen die Pariser und die vielen Gäste mit ihren schönen, im Laufe des Jahres wechselnden Pflanzungen. Hier kann man entspannt Kaffee trinken, manchmal beim Boule zuschauen oder einfach nur seinen Gedanken, angeregt durch die eine oder andere Statue, nachhängen ...

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Den großartigen Auftakt am östlichen Beginn der Mittelachse bilden zwei schlanke Frauenfiguren von Louis Auguste Lévêque (1814-1875) aus dem Jahr 1866. Leider verschmutzt der strahlend weiße Carrara-Marmor ziemlich schnell...

Lévêque: Nymphe und Diana
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Es sind vor allem mythologische Figuren, die im zentralen Teil des Gartens zu finden sind. Die Mythen transportieren Urerfahrungen der Menschheit, zeigen Abgründe der Seele, könnten zum Nachdenken anregen:

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Kain, nach dem Brudermord an Abel - es sind gerade mal vier Menschen auf der Welt und schon liegt einer erschlagen. Warum bloß? Die Figur des Brudermörders schuf Henri Vidal (1864-1918) im Jahr 1896.


Henri Vidal: Cain venant de tuer son frère Abel
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Aimé Millet (1819-1891):  Cassandre se met sous la protection de Pallas (1877)

Kassandra sucht Schutz bei Pallas Athene ...
Zehn Jahre tobte der Kampf, dann fiel Troja durch List... Kassandra hatte es vorhergesehen, doch niemand schenkte ihr Glauben. Die Sieger metzelten alles nieder, raubten, plünderten, schändeten. Kassandra floh in den Tempel der Athene und umklammerte das Standbild der Göttin. Hinterdrein stürzte Ajax, der Lokrer (der "kleine Ajax"), zerrte sie an den Haaren weg und vergewaltigte sie. Dabei fiel das Standbild Athenes um, was die Göttin heftig erzürnte.

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"Als sie mich ... später fragten: ob es denn wahr sei, dass Klein Aias mich an der Athene-Statue vergewaltigt hätte, habe ich geschwiegen. Es war nicht bei der Göttin. Es war im Heldengrab*), in dem wir Polyxena zu verstecken suchten ... Die Griechen suchten sie, im Namen ihres größten Helden, des Viehs Achill. Und sie haben sie gefunden ... Polyxena war auf einmal ganz bei Sinnen. Töte mich, Schwester, bat sie leise. Ach, ich Unglückselige. Den Dolch, den Aineias mir am Ende aufgedrängt, hatte ich hochfahrend weggeworfen. Nicht für mich, für die Schwester hätt ich ihn gebraucht. Als sie sie wegschleiften, war Klein Aias über mir. Und Hekabe, die sie festhielten, stieß Flüche aus, die ich noch nie gehört hatte."
(Christa Wolf: Kassandra, Erzählung, 1983)

Kassandra sucht Schutz bei Athene
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*)  "Heldengrab": Bei Christa Wolf liest sich die Vorgeschichte dazu so: Die Trojaner planten Achill zu töten: Polyxena sollte ihm schöne Augen machen und während Achill bei ihr war, wollte Paris ihn mit einem vergifteten Pfeil an der Ferse treffen. Kassandra sah die Folgen voraus, sprach sich gegen den Plan aus und wurde von den Trojanern ins "Heldengrab" weggesperrt. Ach ja - Die Unternehmung war erfolgreich: Paris tötete Achill und Polyxena verfiel dem Wahnsinn. (Christa Wolf, Kassandra, 1983)

Diane à la biche - Diana von Versailles

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Mit Göttinnen ist nicht zu spaßen - und mit der jungfräulichen Artemis (Diana) erst recht nicht. Besonders Aktaion bekam das am eigenen Leib zu spüren. Doch diese Göttin fasziniert: sie lebt ungebunden, jagt durch die Wälder und macht auch sonst,  was sie will... Eine der schönsten Darstellungen von ihr ist die sogenannte "Diana von Versailles", eine römische Kopie eines verschollenen griechischen Originals. Die Skulptur ist heute eine der Hauptattraktionen des Louvre. Hier im Park des Jardin des Tuileries steht eine Kopie.

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Étienne Jules Ramey (1796-1852): Theseus kämpft mit dem Minotaurus

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Theseus, der furchtlose Held, machte sich auf den Weg nach Kreta zu König Minos. Jedes Jahr bekam der König als Tributzahlung 7 Jünglinge und 7 Jungfrauen, die auf geheimnisvolle Weise im Labyrinth verschwanden. Dort hauste der Minotauros, ein Wesen halb Mensch halb Stier. Theseus erschlug den Minotauros und da ihm die liebreizende Ariadne klugerweise ein Wolleknäuel mitgegeben hatte, fand er auch aus dem Labyrinth wieder heraus.

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   Étienne Jules Ramey (1796-1852)
   Thésée combattant le Minotaure, 1821-1827
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Giovanni Comino: Herkules Farnese

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Auch ein Held muss einmal ausruhen. Herkules lehnt an einem Baumstumpf, über den er das Löwenfell geworfen hat, gestützt auf seine Keule. Er scheint über seine Taten nachzudenken, er ist müde. Die Skulptur ist nach ihrem Aufstellungsort, der Villa Farnese in Rom benannt. Der Typus des ruhenden Herkules ist häufig kopiert worden.

Laurent Honoré Marqueste (1848-1920): Nessos entführt Deianeira

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Der Kentaur Nessos sollte Deianeira - Herakles' Frau - eigentlich nur trocken über den Fluss bringen, doch als er die Schöne auf seinem Rücken spürte, ging's wohl mit ihm durch ... Er packte die sich Sträubende und galoppierte mit der Beute davon. Wie unbedacht! Herakles schickte ihm einen Pfeil hinterher. Tödlich getroffen, machte Nessos der Deianeira dann noch ein furchtbares Geschenk ...

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   Laurent Honoré Marqueste (1848-1920):
   Le centaure Nessus enlevant Déjanire, 1892
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Eine weitere Skulpturengruppe "Nessos und Deianeira" befindet sich im Großen Garten in Dresden. Hier können Sie ->vergleichen und lesen, wie die Geschichte ausging.

Paul Gasq (1860-1944): Medea

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Warum tötet eine Mutter ihre Kinder? Darauf gibt es keine einfache Antwort. In der Antike ist Medea eine zauberkundige Königstochter, die den Argonauten unter Führung Jasons bei der Erbeutung des Goldenen Vlieses hilft. Sie hat mit ihm zwei Kinder. Als Jason sie verlässt, wird sie zur Mörderin. Viele Künstler haben sich des vielschichtigen Themas angenommen. Einen exzellenten Artikel zu Medea findet man auf -->Wikipedia.

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Jean-Baptiste Hugues (1849-1930): L' homme et sa misère ou la misère

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Die Katastrophe stand unmittelbar bevor, doch sie hätte im letzten Moment noch verhindert werden können. Aber die Trojaner waren mit Blindheit geschlagen - und als Laokoon sie warnen wollte, kamen zwei Schlangen aus dem Meer und ließen ihn und seine beiden Kinder für immer verstummen. Mensch und Leid, Unglück und Elend. Eine Tragödie. Jean-Baptiste Hugues gestaltete die Marmorgruppe in den Jahren von 1905-1907.

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Louis Ernest Barrias (1841-1905): Der Schwur des Spartakus

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Noch eine Misere. - Nein, man darf nicht alles hinnehmen: Es ist eine Kreuzigungsszene, ein Mann, an den Baum gebunden und festgenagelt, liegt im Sterben. Die Ketten zu seinen Füßen weisen ihn als Sklaven aus. Diese Art der Bestrafung war im alten Rom für Sklaven üblich. Spartakus - noch ein Kind - steht neben ihm. Sein Kopf ist leicht geneigt, sein Blick trotzig, in der Hand hält er ein Messer. Später wird der von ihm geführte Aufstand das römische Reich in den Grundfesten erschüttern und die Sklavenhalter das Fürchten lehren. Der Name Spartakus ist für immer mit dem Kampf um Freiheit verbunden.

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Charles Francois Leboeuf, genannt Nanteuil (1792-1865): Der kämpfende Alexander

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Alexander hat viele Schlachten geschlagen, wohl deshalb trägt er den Beinamen "der Große". Mehr als groß - riesig - war das Reich, das seine Armee zusammeneroberte. Und es wäre vielleicht noch größer geworden, wenn seine Männer nicht angefangen hätten zu murren, so fern der Heimat... Alexander starb früh. Sein Reich zerfiel schnell.

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Ambrogio Parisi (vor 1676-1719): Julius Caesar

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Gajus Julius Caesar - Politiker, Staatsmann, Feldherr und Eroberer ganz (?) Galliens -  ist zweifellos der bekannteste Römer, und das nicht nur aufgrund seiner Darstellung in den Asterix-Heften. Die von Ambrogio Parisi 1694 fertiggestellte Statue orientiert sich an antiken Vorbildern.

Jean-Baptiste Père: Périclès distribuant des couronnes aux artistes

Perikles überreicht den Künstlern die Siegerkränze...

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Perikles, der große Stratege, Staatsmann und begnadete Redner, war auch ein großer Förderer der Kultur. Der von den Persern zerstörte Parthenon-Tempel wurde mit staunenswerter Geschwindigkeit (wikipedia) in seiner Zeit wieder aufgebaut. Im Odeion wurden musische Wettbewerbe durchgeführt, bei denen Perikles als Schiedsrichter fungierte. Wie wird sein Wirken nach fast 2500 Jahren gesehen? Da sind sich viele Historiker erstaunlich einig: Perikles' größte Leistung wird in seinem Einsatz für die Schaffung eines "Kulturstaates" gesehen!

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Denis Foyatier (1793-1863): Cincinnatus

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Wer war Cincinnatus? - Ein Staatsmann. Ein Römer. Eigentlich war er längst im Ruhestand, Ackerbau war jetzt sein Hobby. Doch als die Republik in Gefahr war und ihn rief, übernahm er das Amt des Diktators. (Die Römer beriefen in Krisenzeiten einen Diktator, der alle Machtbefugnisse in seiner Hand vereinte. So ließen sich wichtige Entscheidungen schneller treffen.) Als die Gefahr gebannt war, gab Cincinnatus seine Macht wieder ab und widmete sich wie zuvor seinen geliebten Planzungen. - Das ist aber schon sehr sehr lange her, ungefähr 25 mal hundert Jahre.

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Francois Sicard (1862-1934): Le bon Samaritain - Der barmherzige Samariter

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Da lag einer schwach und elend am Weg. Zwei gingen vorbei, erst der dritte half dem Kranken auf. Er kam vom Stamm der Samaritaner. Dieses Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird im Lukasevangelium erzählt. So ist der Begriff "Samariter" zum Synonym für tätige Nächstenliebe und Hilfeleistung geworden.

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Wird fortgesetzt.

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